MeisterSingers Astroscope gewinnt den German Design Award 2021

Allen MeisterSinger Uhren ist gemeinsam, dass sie die Zeit wie die ersten mechanischen Zeitmesser mit nur einem Zeiger anzeigen und damit die Zeit buchstäblich auf den Punkt bringen. Es sind Uhren für Menschen, die sich gerne daran erinnern, dass der Moment im Hier und Jetzt unsere wahre Realität ist. Eine Wirklichkeit, der wir uns nicht vollends entfremden sollten - ganz im Gegenteil.

Auch mit dem Astroscope - nach der erfolgreichen Mondphasenuhr Lunascope das zweite Modell mit astronomischem Thema in der Geschichte des Unternehmens - bleibt sich MeisterSinger treu. Die Uhr sorgte schon bei ihrer Vorstellung auf der diesjährigen Inhorgenta für Aufsehen, zeigt sie doch die Wochentage auf eine schlüssige und eingängige neue Art an: mit Bezug auf die Ihnen seit Alter her zugeordneten Himmelskörper.

Bislang war das Design bei MeisterSinger reine Chefsache. Alle Uhren tragen die Handschrift des Unternehmensgründers Manfred Brassler. Als er dem jungen Mitarbeiter und Art Direktor Jens Bierwirth anbot, sich an den Entwurf einer MeisterSinger zu versuchen, konnte er noch nicht voraussehen, dass dieser nicht nur ein gut gestaltetes Produkt abliefern würde, sondern ein komplettes Konzept dahinter gleich mit.

Erstlingswerk mit Konzept

„Jens Bierwirths Aufgabe im Haus ist ursprünglich die Pflege und Umsetzung unseres Corporate Designs“, erklärt Brassler, „aber er hat sich auch zunehmend in der Produktentwicklung engagiert.“ Vor etwas mehr als einem Jahr bekam er den Auftrag, sich Gedanken über eine eigene MeisterSinger zu machen und entschied sich für eine ungewöhnliche Indikation der gängigen Day-Date-Komplikation. Der Weg zum Konzept war laut Gestalter Bierwirth im Grunde eine logische Schlussfolgerung: „Die neue Anzeige sollte nicht nur wie bei MeisterSinger üblich ausgewogen und klar gestaltet sein, sondern ‚einen guten Grund‘ haben. Den fand ich, als ich mich mit der Geschichte der Wochentage und ihrer astronomischen Entsprechung beschäftigte, mit Himmelsmechanik quasi.“

Dass die Wochentags-Wandelsterne ausgerechnet in diesem Jahr gemeinsam am Himmel zu sehen waren, stellte sich erst im Laufe der Entwicklung heraus. „Den finalen Entwurf wandelte ich nochmals kurzfristig ab, um die Konstellation auch wirklich dem Bild am Himmel in diesem Sommer zu entsprechen. Andernfalls wären Mars und Saturn vertauscht gewesen; das konnte ich im wahrsten Sinne nicht so stehen lassen“, verrät der Grafiker.

Eine schlüssige Idee

Es sind Sonne und Mond, die unsere Zeit für alle spür- und beobachtbar einteilen: In Tag und Nacht, in zwölf Monate pro Jahr. Die Einteilung in siebentägige Wochen jedoch folgt keinem astronomischen Prinzip, sondern hat einen mythologischen Hintergrund. Sie geht auf die Babylonier zurück und wurde mit den besonders deutlich sichtbaren sieben Himmelskörpern am Firmament verbunden.

Mit diesen Himmelskörpern und ihren entsprechenden Symbolen zeigt der Astroscope auf dem Zifferblatt die Wochentage nicht linear, sondern hin- und herwandernd durch einen hellen Punkt an. Genau in der Reihenfolge, in der sie sich am südlichen Nachthimmel zeigen.

„Das war eine neue, andere Art die Informationen zu lesen“, sagt Manfred Brassler, „das hat uns bei allen bei MeisterSinger großen Respekt eingeflöst.“

Designauszeichnungen Nummer 29 und 30

Das haben die Designgremien wohl genauso gesehen. Nach dem red dot award 2020 erhält Jens Bierwirth nun auch den German Design Award 2021 für seine ‚Erstlingsuhr‘. Bei MeisterSinger ist man sich sicher, dass da noch mehr kommen wird.

Was machen MeisterSinger-Uhren auf einer Bauhaus-Ausstellung?

In der Ausstellung „Re:Form – Eine Hommage an 100 Jahre Bauhaus“ konfrontierte in diesem Jahr ein dreiköpfiges Künstlerkollektiv – Olff Appold, Kai Brüninghaus und Jürgen Sandfort – Fotografien, Filme und Animationen zum Thema auch mit aktuellem Design. Olff Appold kombinierte MeisterSinger-Uhren mit klassisch „bauhausigem“ Motiven.

Auch der Fotograf Stephan Gustavus ließ sich vom Bauhaus inspirieren und bringt in seiner freien Arbeit MeisterSinger-Zeitmesser mit dem Geist der legendären „Kunst- und Designschule“ in engen Zusammenhang. So arrangierte er ein demontiertes Uhrwerk zu einer „Hommage an Wassily Kandinsky.

Geometrisch und schwarzweiß

Gerade im Bauhaus-Jubiläumsjahr berufen sich viele Designer mit ihren Schöpfungen ausdrücklich auf die Institution, deren Name auf einem Produkt wie ein Gütesiegel klingt, sich aber beliebig einsetzen lässt, weil er rechtlich nicht geschützt ist. Eine „Bauhaus-Uhr“, so der landläufige Konsens, ist in der Formensprache radikal reduziert, auf geometrische Grundformen, Schwarz und Weiß sowie eine nüchterne, serifenlose Typografie. MeisterSinger hat sich bislang nicht in der Bauhaus-Tradition gesehen. Die von Manfred Brassler in Münster gestalteten Einzeigeruhren sind von frühen Turmuhren und alten wissenschaftlichen Messgeräten inspiriert. Manche Modelle tragen dabei auf den ersten Blick Merkmale, die als „typisch Bauhaus“ gelten könnten. Gustavus’ Bilder allerdings zeigen auch eine elegante Pangaea mit elfenbeinfarbenem Blatt, die sich nicht in das gängige Klischee fügt und doch bestens ins Thema passt.

Mittelalterliche Ideale

Tatsächlich war das Bauhaus natürlich nicht nur schwarzweiß, sondern entwickelte vielmehr eigene Farblehren. In Weimar und Dessau entstanden dazu auch neue Schrifttypen, darunter selbstverständlich solche mit Serifen. Was die MeisterSinger-Uhren mit den Maximen des Bauhaus verbindet, ist jedoch mehr als eine Formensprache, die konsequent üppigen und funktional wertlosem Zierrat vermeidet. Es geht vielmehr um die Verbindung von Kunst und Handwerk in der engen Zusammenarbeit von Spezialisten ganz unterschiedlicher Disziplinen. Bauhaus-Gründer Walter Gropius hatte als synergetisches Ideal (und Namensgeber) die Dombauhütten des Mittelalters vor Augen, wollte mit der Struktur seiner Schule Fehlentwicklungen der Neuzeit korrigieren. Dem Bauhaus, für viele der Inbegriff der Moderne, liegt auch entschiedene Modernekritik zugrunde.

Womit man auskommt

Uhrenhersteller sind mit der traditionellen Kooperation von Designern, Uhrmachern und Kunsthandwerkern unter einem Dach dem Bauhütten-Ideal recht nah. Und bei MeisterSinger kommt noch etwas hinzu: Die großen Turmuhren der mittelalterlichen Kirchen, von denen die Zeitmesser aus Münster inspiriert sind, kamen mit einem einzelnen Zeiger aus. Und die Wiedereinführung dieses Anzeigeprinzips in modernen Armbanduhren ist auch ein Korrektiv einer unglücklichen Entwicklung: Dadurch, dass sich im Laufe der Jahrhunderte immer kleinere Zeiteinheiten präzise messen und darstellen ließen, scheuchen heute allzu oft Minuten- und Sekundenzeiger die Menschen vor sich her, zerlegen den Tagesfluss ohne Not in kleinste Stücke. MeisterSinger setzt dem eine andere, fast verloren gegangene Wahrnehmung entgegen, will zeigen, wie reizvoll die Konzentration aufs Wesentliche sein kann. Diese Art der – in jedem Detail sehr sorgfältigen – Reduktion macht die MeisterSinger-Uhren den Bauhaus-Produkten verwandt. Und erklärt, warum sich auch die Pangaea bestens in Stephan Gustavus’ Bauhaus-Motive einfügt.

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